letztes Update: 15.01.2018
 
Ja, aber ...

Für die "Ja, aber" - Kollegen habe ich mal folgende Zusammenfassung erstellt. Selbstredend immer mit Blick durch die rosarote Tesla-Brille, aber trotzdem bemüht, objektiv zu sein.

"Ja, aber Tesla ist doch bald pleite."
Nö. Da steckt schon viel zu viel fremdes (auch chinesisches) Geld ("too big to fail") drin, es sind gigantische Produktionsstätten (z.B. die Gigafactory für moderne Batterie-Produktion) sowie 500.000 Model 3 - Vorbestellungen vorhanden. Sowas wirft ein Investor nicht einfach weg. Mag aber sein, dass Tesla irgendwann mal von BYD, BAIC, Geely oder wem auch immer übernommen wird. Das wäre halb so wild.

"Ja, aber die Energie für deinen Strom kommt doch auch nur aus dreckiger Braunkohle ..."
Nö. Hatte ich hier in 11/2017 schonmal ausführlich dargelegt. Erstens steigt der Anteil an alternativen Energien (Sonne, Wind, Wasser) stetig,
und zweitens ist es selbst bei dreckigst erzeugtem Strom bereits heute effizienter und cleaner, elektrisch zu fahren, statt Erdöl zu verbrennen.

"Ja, aber wenn alle jetzt Elektrofahrzeuge fahren würden, würde doch der Strom nicht reichen ..."
Nö. Es fahren nämlich jetzt nicht alle sofort elektrisch, sondern wird das eine Phase von einigen Jahren der Transformation sein. Klar ist aber, dass hier endlich mal grössere Anstrengungen nötig sind, was Ladeinfrastruktur anbelangt.

"Ja, aber soviel Lithium / Kobald / [beliebige(s) Metall / seltene Erde] gibt's doch gar nicht."
Doch. Hierzu ein wunderschönes Video von Horst Lüning.

"Ja, aber die Batterien müssen doch alle 80.000 km getauscht werden, und können dann noch nicht mal recycelt werden."
Nö. Man geht momentan davon aus, dass die (guten, z.B. Tesla-) Akkus allesamt eine Mio.+ km halten können.
Die erste fette Recycling-Fabrik wurde auch gerade eröffnet. In Südkorea, natürlich nicht in Bayern oder Brandenburg ...!
Was übrigens kaum recycelt werden kann sind die Edelmetalle, die aus den herkömmlichen Katalysatoren der Verbrenner in die Umwelt abgegeben werden. Das ist viel dramatischer als alles andere. Platin ist in der Tat knapp, kostbar und gleichzeitig gesundheitsschädlich.

"Ja, aber wenn der Akku einmal brennt, dann müssen doch alle im Umkreis von [beliebige m] sofort sterben, weil alles explodiert."
Brennende Lithium-.Akkus sind in der Tat nicht einfach so zu löschen. Brennende, fossil angetriebene Fahrzeuge sind allerdings auch kein Spass. Die Medien stürzen sich eben gerne auf alles, was neu ist. Jeder E-Fahrzeug-Brand schafft es auf die Seiten 1-3; dass aber pro Jahr tausende von Verbrennern in Flammen aufgehen, das wird maximal als Randnotiz festgehalten ...

"Ja, aber was ist, wenn Tesla die Supercharger einfach abschaltet?"
Die schalten die Supercharger nicht ab. Es handelt sich um das weltweit einzige Schnell-Ladenetz dieser Art.
Hiernach würde sich der Mitbewerb die Finger lecken, wenn solch ein Ladenetz mal aus Insolvenzgründen zum Verkauf stünde.

"Ja, aber die verdienen mit ihren Superchargern doch kein Geld!"
In den ersten Jahren war Supercharging quasi für alle Model S und X - Fahrzeuge (lebenslang auch bei mehrfachem Wiederverkauf) frei - als Anreiz für diese neue Idee der Mobilität. Ab circa Anfang 2017 wurde das bei Model S und X limitiert auf den Erstbesitzer. Alle Model 3 - Fahrer definitiv und voraussichtlich auch die S- und X-Fahrer werden ab Bestellung 02/2018 ebenfalls bezahlen müssen - Stand 2018 im Schnitt EUR 0,34/Minute (bei Ladeleistung > 60 kW) sowie EUR 0,17/Minute (bei Ladeleistung <= 60 kW), Quelle

"Ja, aber die deutschen E-Fahrzeuge werden doch mit bis zu 350 kW statt nur mit 120 kW Leistung geladen." (Quelle)
Das will ich erst mal sehen (technisch + kostenseitig). Vor allem will ich erst mal sehen, wie sich das auf die Langlebigkeit der Akkupacks auswirkt. Vielleicht will man mir dann auch nur alle 2-3 Jahre neue Akkus verkaufen. Tesla limitiert aktuell bei extensiver Supercharger-Nutzung nicht umsonst die maximale Ladeleistung auf 90 kW.

"Ja, aber die Tesla-Qualität ist doch viel schlechter als die der deutschen Hersteller."
Ich würde die Tesla-Qualität schon als sehr gut bezeichnen, aber nicht ganz auf dem Niveau von Audi, BMW, Mercedes, Porsche, etc.

"Ja, aber Tesla kriegt doch die Massen-Produktion des Model 3 nicht auf die Reihe."
Die haben ihren allergrössten Respekt hiervor schon immer ehrlich kommuniziert.
Aktuell (01/2018) dürfte die Wochenproduktion bei circa 1.000 Model 3 liegen, Tendenz steigend. 5.000 Fahrzeuge / Woche irgendwann in 2018.

"Ja, aber Wasserstoff wäre doch eine tolle Alternative."
Nö. Aus Effizienzgründen ist das grosser Unfug. Die meiste reingesteckte Energie kommt eben beim Batterie-elektrischen Fahrzeug am Antriebsstrang an. Alles andere(!) ist weniger effizient. Ausserdem sind Brennstoffzellen-Fahrzeuge hochkomplex im Vergleich und die Erzeugung und Lagerung von Wasserstoff ebenfalls kein Kinderspiel. Was auch gerne vergessen wird. Hochkomplexe Technik ist immer Sponsoring unserer Werkstätten und Hersteller. Wer das mag und bezahlen möchte: Bitte sehr. Wer simplere Antriebstechnik einsetzt, wird auch immer kostengünstiger unterwegs sein.

Ja, aber mir fehlt da der Sound / die Vibration / [x-beliebiger Quatsch].
Werde erwachsen, und tausche deinen kindischen Egoismus gegen eine Weichenstellung ein, die dir kommende Generationen danken werden.

"Ja, aber ich will doch nicht alle 1-2 Stunden nachladen müssen auf der Langstrecke."
Tja, da wird man sich dran gewöhnen müssen in der Anfangszeit. Alles halb so schlimm übrigens. Weiterhin werden die Ladeleistungen natürlich ebenfalls steigen in den kommenden Jahren - und damit die Ladezeiten sinken.

"Ja, aber du kannst doch kein amerikanisches Auto kaufen - wir in Deutschland sind doch so abhängig von der Automobil-Industrie."
Das ist mir - zwischenzeitlich - völlig Wurscht. Wer die Zeichen der Zeit nicht rechtzeitig erkennt, oder dem geneigten Käufer/Interessenten jahrelang erzählt, dass das alles nicht geht, und seine Zeit damit verplempert, Kartelle zu bilden oder versucht, den Käufer mit hingetürkten Prüfstandswerten sowie Software-Betrug für dumm zu verkaufen, der ist eben draussen.

"Ja, aber Tesla / Elon Musk verspricht doch dauernd Zeugs, was dann nie kommt."
Das weiss jeder, der sich mit Musk und Tesla etwas intensiver beschäftigt. Die Zeitplanung nimmt man am besten mal 1,5 oder 2,5 - dann passt's meistens. Bislang wurde aber noch alles geliefert, was versprochen wurde ... (bis auf Wechsel-Akkus). Die deutschen Premium-Hersteller haben das Problem übrigens nur deshalb nicht, weil sie nichts versprochen haben ...

"Ja, aber das kann mein Audi / BMW / [beliebiges deutsches Premium-Produkt] auch."
Nö, eben leider bislang entweder gar nicht oder jeweils nur fast so gut.

"Ja, aber Tesla hat doch betrogen bei der Elektro-Förderprämie."
Bullshit. Habe ich hier in 12/2017 erläutert.

"Ja, aber nicht jeder kann sich einen Tesla leisten."
Klar. Da gibt es aber wirklich gute, bezahlbare Alternativen wie z.B. den Hyundai Ionic, Nissan Leaf, Renault ZOE, BMW i3, Opel Ampera-E, etc.
Selbstverständlich kann man nicht von allen erwarten, dass sie hier jetzt ihren letzten EUR investieren. Die aber, die es sich leisten können, sollten die Vorreiter-Rolle einnehmen, und den Weg ebnen für alle anderen.

"Ja, aber mein aktueller EUR 6d-Diesel ist doch toll."
Nö. Der ist technologisch weitgehend durchentwickelt - da geht nicht mehr viel bis nichts. Die Verbrauchs- sowie Emissionsangaben sind weitgehend geschönt. Ausserdem ist alleine die Abgasreinigung zwischenzeitlich so komplex, dass es keine Freude mehr macht ...!
Man vergleiche die Komplexität eines aktuellen EUR6d-Diesels mit der eines batterie-elektrischen Fahrzeugs. Jeder kluge 6-Jährige kann feststellen, was auf Dauer robuster ist und deutlich weniger Probleme machen wird.

"Ja, aber mein aktueller EUR 6d-Benziner ist doch toll."
Nö. Leider auch nicht. Da sind die Wirkungsgrade noch schlechter als beim Diesel. Die Emissionen sind in der Tat besser - bis auf den Feinstaub bei den Direkt-Einspritzern. Dort wartet in den Schubladen der Politik und Wirtschaft bereits die nächste Sau, die durch's Dorf getrieben werden wird. Der Partikelfilter für Otto-Motore.

"Ja, aber [beliebiger deutscher Premium-Hersteller] hat doch bald auch eine tolle E-Fahrzeug-Flotte im Angebot."
Bis unsere Ankündigungs-Weltmeister eine konkurrenzfähige Modellpalette (wie z.B. Tesla) im Angebot haben, wird Tesla an die 10-15 Jahre Erfahrung und damit auch einen gewissen Vorsprung in diesem Bereich haben. Der erste Roadster kam 2008 auf den Markt, das Model S 2012, das Model X 2015. Erste vergleichbare Fahrzeuge mit guten Reichweiten von [beliebiger deutscher Premium-Hersteller] erwarte ich nicht vor 2020.
Bei smart war der electric drive (451) über 1,5 Jahre nicht bestellbar und lieferbar, weil man den im Nachfolger wohl vergessen hatte. Mercedes hat die B-Klasse electric drive Ende 2017 aus dem Programm genommen. Das sind keine Signale, die Vertrauen schaffen.

"Ja, aber wenn die Deutschen dann tolle Autos im Angebot haben, dann kaufst du doch auch wieder ein solches?"
Möglich. Aber unwahrscheinlich. Die Deutschen haben es noch immer nicht verstanden, dass Tesla Stand heute nicht nur Autos verkauft, sondern Elektromobilität (inklusive gigantischem Ladenetz).

"Ja, aber Jeremy Clarkson sagt doch, dass das ganze Elektrozeugs nicht funktioniert und langweilig ist."
Erstens war sein TopGear Tesla-Roadster-Verriss aus 2008 laut Tesla gescriptet (die konnten die Logs des Roadsters auslesen und bewerten), zweitens scheint auch er in Staffel 3 von GrandTour langsam zu verstehen, was gerade passiert.

"Ja, aber wenn ich einen wirklich schnellen Sportwagen möchte, dann geht ja wohl kein Weg am Verbrenner vorbei!"
Nö. Dann sollte man lieben zu sparen beginnen, und sowas hier vorbestellen für knappe EUR 250.000.- Da gibt's Fahrleistungen, für die man bislang mal ein Milliönchen aufwärts ausgegeben hat. Nee, warte - 1,9 s für 0-60 mph (also circa 2,0 s 0-100 km/h). Damit hat bislang auch der Bugatti Chiron ein Problem (2,4 s). Kostet auch nur schlappe EUR 2.800.000.-

"Ja, aber ich will das einfach nicht."
"Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben."